Sargfabrik: Ein selbstverwaltetes und selbstbestimmtes Wohnprojekt mit kulturpolitischem Anspruch.

Das Projekt Sargfabrik wurde von dem gemeinnützigen Verein für Integrative Lebensgestaltung (VIL) im 14. Wiener Gemeindebezirk und in der Tradition des “Roten Wiens” realisiert. Mit dem Ziel, Ressourcen gemeinsam zu nutzen, entstand dabei in dem Gebäude der einstigen Sargfabrik auf bis zu fünf Etagen eine lebendige Gemeinschaft mit diversen Kultur-, Freizeit- und Aufenthaltsangeboten wie einem Dachgarten, Badehaus, Seminarraum, einer Kantine sowie Kindertagesstätte. Ermöglicht wurde das breite gemeinschaftliche Angebot sowie förderrechtliche Vorteile durch die Rechtsform als “Wohnheim”. 

Für die verschiedenen Wohn-, Arbeits- und Lebensformen wurden flexibel gestaltbare Räume geschaffen. Zudem ermöglichen zentrale Versorgungsschächte eine spätere Zusammenlegung oder Trennung einzelner Einheiten. Große Glasfronten und die original erhaltene Deckenhöhe von bis zu 4,50 m schaffen helle und transparente Wohnräume. Die somit gewährten Einblicke in die Wohnungen vermitteln eine gewisse Offenheit. Architektonisch auffällig sind außerdem die Balkone, die sich mit den schräg nach vorn gekippten Betongeländern von der restlichen Fassade abheben. Der gegenüber verlaufende Laubengang dient als Wohnungserschließung und verfügt über Geländer mit Sichtschlitzen auf Augenhöhe von Rollstuhlfahrer:innen. So trägt die barrierefreie Gestaltung der Sargfabrik zur Integration von Menschen mit besonderen Bedürfnissen bei. Gegenwärtig leben in der Sargfabrik etwa 200 Menschen in unterschiedlichen Wohnformen. Darunter befinden sich unter anderem Heimplätze, eine Wohngemeinschaft für Menschen mit besonderen Bedürfnissen und kurzfristige Wohnmöglichkeiten mit befristeten Mietverträgen für beispielsweise geflüchtete Menschen. Als Ort der Zusammenkunft und des sozialen Austauschs dient die zentral im Gebäude verortete Waschküche.

Blick auf den Innenhof von der Sargfabrik in Wien
Innenhof: Ein Ort der Begegnung © Felix Vollmann

Allgemeine Informationen

ArchitektenBKK-2 Architects (inzwischen BKK-3 Architects)
BauherrVerein für Integrative Lebensgestaltung – VIL
AddresseGoldschlagstraße 169, 1140 Wien, Österreich
Bauzeit1994 – 1996 (Wiederaufbau)
KonstruktionKombination von Stahlbeton und Leichtbau
Bewohner:innen112 Wohneinheiten mit 200 Personen
ProjektgrößeGrundstück: 4.711 m2, bebaute Fläche: 2.747 m2

Quellen

ARGE Stiftung (2016): Generationen Wohnen – Schlagwort oder Konzept? Abgerufen vonhttps://www.age-stiftung.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/Weitere_Publikationen/2016_GenerationenWohnen_Exkursion_Wien_WEB.pdf (03.09.2021)

Sargfabrik (2021): Sargfabrik – Raum Für Mehr. Abgerufen von: https://sargfabrik.at/assets/documents/vil/sf_Imagefolder_210x792mm_Leporello_digital.pdf (01.11.2021)

Sargfabrik (n.y.): Raum für Wohnen – Organisationsform. Abgerufen von https://sargfabrik.at/wohnen/organisationsform (29.09.2021)